Berlin, 22. März 2020 – Als ich Ende August 2019 mit meiner zweijährigen Tochter zu meiner ersten Vater-Kind-Kur in die AWO-Klinik Langeoog reiste, waren meine Erwartungen hoch. Ich hoffte auf Erholung, professionelle Unterstützung und die Möglichkeit, die Bindung zu meiner Tochter abseits des Alltags zu stärken. Was ich stattdessen erlebte, war eine dreiwöchige Enttäuschung, die sich als reine Zeit- und Geldverschwendung herausstellte.
Ich trat die erste Kur meines Lebens mit einer schweren persönlichen Belastung an. Ich litt unter einem starken Burnout, sodass ich nur noch funktionierte. Ausgelöst wurde dieser durch die psychische Erkrankung meiner Frau nach der Geburt unserer Tochter. Die Kur sollte ein dringend benötigter Rückhalt sein, um wieder zu Kräften zu kommen und die Kraft zu finden, weiterhin für meine Tochter da zu sein. Was ich auf Langeoog vorfand, war jedoch das Gegenteil von Entlastung!
Sechs Anwendungen in drei Wochen
Das als therapeutisches Angebot beworbene Programm war in der Praxis nicht existent. In drei Wochen gab es für mich gerade einmal lächerliche sechs Anwendungen. Genauer gesagt waren es fünf Wannenbäder und eine Fangopackung. Das ist eine Farce. Ich absolvierte die Kur mit dem Ziel, meine Gesundheit wiederherzustellen. Mit einem solchen Minimalprogramm ist das schlichtweg unmöglich. Die Hoffnung auf professionelle Unterstützung und gezielte Maßnahmen, die dabei helfen, die Herausforderungen des Alltags besser zu bewältigen, wurde hier im Keim erstickt. Die Klinik war nicht in der Lage und auch nicht gewillt, ansatzweise die Standards einer echten Kur zu erfüllen.
DIY-Kinderbetreuung
Ein zentraler Pfeiler jeder Vater-Kind-Kur ist die Kinderbetreuung. Erst durch sie haben Väter Zeit für eigene Therapien, Entspannung und Reflexion. Doch auch hier wurde massiv gespart. Mit nur einer Erzieherin und zwei FSJlern war die Kinderbetreuung kaum vorhanden. Dazu kam, dass mein Kind noch keine Berührungspunkte mit Kindergarten o. Ä. hatte. Jeden Tag um 11 Uhr musste ich sie aus der rudimentären Betreuung abholen. Dadurch hatte ich kaum eine Chance, mich zu erholen oder an den wenigen Terminen teilzunehmen. Eine Erholung war so nicht möglich, da ich rund um die Uhr die Betreuung meines Kindes übernehmen musste. Genau hier sollte die Kur ansetzen und für eine Weile die Betreuung übernehmen.
Essen & Personal – ein Lehrstück in Sparsamkeit
Auch in anderen Bereichen herrschte ein beklemmendes Gefühl der Sparsamkeit und des Geldschneiderns. So bestand das Essen über drei Wochen hinweg ausschließlich aus Fertiggerichten. Das ist nicht nur ungesund und geschmacklos, sondern zeugt auch von mangelnder Wertschätzung gegenüber den Kurgästen. Schließlich trägt eine gesunde Ernährung maßgeblich zur Genesung bei. Stattdessen wurden wir Tag für Tag mit Aufbackware, Convenience-Produkten und einer Plörre abgespeist, die auch das Waschwasser vom Vortag hätte sein können. Beim Kaffee wurden wir bereits bei der Begrüßung von den Mitarbeitern vorgewarnt. Sie wiesen uns darauf hin, dass wir uns eine Dose Instantkaffee bei Rossmann kaufen sollen. Dort wird kein Inselzuschlag erhoben. So mussten wir die ungenießbare Plörre nicht trinken.
Am erschütterndsten war jedoch das absolut unzureichende Personaldecke in der AWO-Klinik Langeoog. Für 160 Familien in zwei Häusern gab es nur eine einzige Physiotherapeutin. Ärzte gab es nicht und die zwei Kinderkrankenschwestern waren verständlicherweise völlig überlastet. Einen Ökotrophologen gab es erst gar nicht, von der nie besetzten Rezeption ganz zu schweigen. Das ist nicht nur eine Frechheit, sondern schlichtweg grotesk. Wie soll eine einzige Person – in diesem Fall die Physiotherapeutin – die Bedürfnisse so vieler Menschen erfüllen? Individuelle Behandlung und professionelle Betreuung waren unter diesen Umständen ausgeschlossen. Man hatte das Gefühl, nur ein Mittel zum Zweck in einem schlecht organisierten System zu sein, in dem Geldgier im Vordergrund steht. Die Krankenkassen scheinen sich jedoch nicht darum zu kümmern.
Mein Hilferuf blieb ungehört
Ich habe diese massiven Mängel nicht einfach hingenommen. Bereits während meines Aufenthalts im August 2019 habe ich die Klinikleitung wiederholt auf die Missstände aufmerksam gemacht. Ebenso habe ich meine Krankenkasse und den AWO Bundesverband informiert. Leider wurde mein Kritik ignoriert. Die Geschäftsführerin des zuständigen AWO-Landesverbandes Hannover versuchte am Telefon, das Thema herunterzuspielen, und verbat sich die Geldschneiderei. Was ich natürlich direkt ablehnte! De facto gab es keine Verbesserung und keinerlei Anstalten, die offensichtlichen Probleme anzugehen.
Mein Fazit fällt daher bitter aus: Diese Kur war ein einziges Desaster! Ich kann allen Vätern, die eine Kur planen, nur dringend raten, sich genauestens zu informieren und kritisch zu hinterfragen, was ihnen versprochen wird. Denn die AWO-Klinik Langeoog hat mir weder Erholung noch Therapie geboten, sondern war eine teure und nervenaufreibende Verschwendung meiner Lebenszeit!


















[…] meiner Horror-Kur auf Langeoog im Jahr 2019 hätte ich eigentlich dringend eine weitere Kur gebraucht, um den Ausgleich für die […]
[…] meiner Horror-Kur auf Langeoog im Jahr 2019 und der Coronapandemie habe ich lange auf eine neue Vater-Kind-Kur gewartet. Diese […]