Wenn das Impfen mit Kind in Berlin zur Odysee wird!

Es hätte so schön laufen können! Vor circa einer Woche hatte ich über die Berliner Impfhotline (030 – 9028 2200) meine Termine für die persönliche Corona-Impfung im Impfzentrum Tegel TXL bekommen. So weit, so gut.

Am Dienstag, den 29. Juni um 14:45 Uhr sollte ich dort meine erste Dosis des Biontech Vakzines erhalten. Der Mitarbeiter an der Impfhotline hatte mich zuvor noch gefragt, ob ich vor Ort irgendwelche Hilfestellungen benötige. Dieses konnte ich guten Gewissens verneinen. Ich sagte noch, dass ich als Alleinerziehender nur den Kinderwagen samt Kleinkind dabei habe und dieser wendig genug ist. Die knappe Antwort des Hotline Mitarbeiters war „klasse“.

Es ist Dienstag. Am Tag der Impfung machten wir uns rechtzeitig auf den Weg zum Berliner Impfzentrum “TXL” in Tegel. So waren wir circa 20 Minuten früher dort, als nötig. Die Anfahrt mit der BVG war gut organisiert. Mit dem Bus 109, dem früheren Flughafenzubringer bis zum ehemaligen Frachtzentrum, dass jetzt „General-Ganeval-Brücke“ heißt. Dort steigt man dann in einen der bereitstehenden Shuttle-Busse, die einen direkt bis zum Impfzentrum im ehemaligen Terminal C bringen. So weit war alles top!

Als ich am Impfzentrum ankam, staunte ich nicht schlecht über die Menschenmassen, die dort in U-Form in einer Schlange standen. Die Menschenschlange aus mehreren hundert Impfwilligen nahm die gesamte Straße in Anspruch, nahezu das ganze Areal ein. Die Security deutete an, mit dem Kinderwagen weiter vorzugehen, wo es einen speziellen Eingang gibt. An diesem Eingang angekommen, waren es immer noch 15 Minuten bis zu meinem geplanten Piecks im Oberarm. In Gedanken fragte ich mich, ob ich es in den verbleiben 15 Minuten noch schaffe bis zum impfenden Arzt zu kommen.

Der Schock als Vater: Keine Kinder erlaubt!

Dann kam die böse Überraschung, in Form eines Mitarbeiters des vom DRK betriebenen Impfzentrums. Der Mitarbeiter verweigerte mir wegen meines Kindes den Zugang zum Impfzentrum. Auf meinen Protest hin gab dieser vor, der Teamleiter zu sein und weigerte sich, den Vorgang an die nächsthöhere Stelle zu eskalieren.

Durch die offensichtliche Diskriminierung des Mitarbeiters des Impfzentrums TXL wurde ich schlichtweg um meine Impfung gebracht. Der Mitarbeiter brüstete sich gar damit, dass er schon tags zuvor eine Mutter mit Kind abgewiesen hatte. Da eine solch dreiste Diskriminierung ganz klar ein öffentliches Interesse darstellt, schaltete ich noch vor Ort die Kollegen der Presse ein. So kam es, dass Tagesspiegel heute schon online und in der morgigen Printausgabe über den Fall des vom Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Müggelspree betreibenden Impfzentrums am ehemaligen Flughafen Tegel berichtet.

Ich bin traurig und erbost zugleich, dass eine gemeinnützige Institution wie das DRK in Berlin es nicht schafft, Mütter und Väter mit Impftermin dabei vor Ort zu unterstützen, wenn diese alleinerziehend und berufstätig keine Chance haben, ihre Kleinen anderweitig betreuen zu lassen. Davon abgesehen, dass 2 Stunden und mehr reguläre Wartezeit für Impfwillige mit einem festen Termin in gleißender Sonne bereits eine Zumutung an sich darstellen, ist es nicht verständlich und schon gar nicht hinnehmbar, als Alleinerziehender unverrichteter Dinge ohne Impfschutz und ohne neuen Termin wie ein räudiger Hund vom Hof gescheucht zu werden.

6 Antworten auf „Wenn das Impfen mit Kind in Berlin zur Odysee wird!“

  1. Impfzentrum Velodrom 30.6.: Stillende Mutter mit 4 Wo. Säugling wird nur ohne diesen eingelassen (Argument: “Fürsorgeverpflichtung” könne für diesen nicht übernommen werden). Angebot, sie könne ihn noch kurz im Eingangsbereich ohne Sichtschutz oder angemessene Sitzgelegenheit stillen und ihn dann bei einem Security lassen. Aus dem Hintergrund wird von Personal gerufen: “Flasche geben!”
    Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass es für Begleitpersonen, welche dann auf das Kind aufpassen, weder einen regengeschützen Wartebereich, noch entsprechende Sitzgelegenheiten gibt. Die Begleitperson wird zudem mit dem Kinderwagen aus dem Eingangs/Ausgangsbereich komplimentiert, dort sei “warten verboten”.

    1. Ja, bei den Berliner Impfzentren liegt einiges im Argen! Neben der Diskriminierung von Alleinerziehenden mit Kindern ist auch die Terminierung keine Cent wert! Wieso macht man einen Termin, wenn man dann trotzdem 2-3 Stunden warten muss? Logisch ist das nicht!

  2. Ich konnte meine Tochter mit zu meinem Hausarzt nehmen bei der Impfung. Sie hat mir das das Pflaster mit den Blumen ausgesucht.
    Hätte nicht gedacht das es bei den impfzentren so unflexibel gelöst wird.

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