Grau ist alle Theorie, dass Bahnreisen mit Baby oder Kleinkind ist in Deutschland nach wie vor jedes Mal ein Kraftakt. Zum einen durch die meist fehlenden Informationen zur Wagenreihung oder deren plötzliche Änderungen. Zum anderen, weil es einfach zu wenig Kleinkind- und Familien-Abteile in den Zügen der Deutschen Bahn AG gibt.

Zwar kann man inzwischen am neuen Berliner Hauptbahnhof die Durchsagen verstehen, denn noch ist eine Gleisänderung schnell durchgesagt, aber der Wechsel des selbigen ist mit Kinderwagen und Koffer oft alles andere als schnell zu realisieren.

, Bahnreisen mit Kleinkind

Der Berliner Hauptbahnhof ist noch relativ neu, doch die sehr langsamen Aufzüge sind seine Achillesferse.(Bild: Deutsche Bahn)

Denn oft sind die Aufzüge mit den Menschenmassen überfordert und besonders langsam, wie am Berliner Hbf. oder gleich „Außer Betrieb“. Damit wird der Wechsel des Gleises mit Kinderwagen zur nervenaufreibenden Angelegenheit, mit der Gefahr das der Zug ohne einen am neuen Gleis abfährt. Es reicht eben nicht, dass Durchsagen jetzt verständlich sind, es müssen auch konkrete Informationen zu den Zügen erfolgen und beim Gleiswechsel muss genug Zeit eingeplant sein, damit es alle Passagiere eine Chance haben, es rechtzeitig zum neuen Gleis zu schaffen. 

Erst vor kurzem durfte ich dieses wieder am Berliner Hauptbahnhof erleben. Der IC 2254 nach Köln wurde ohne Gleisangabe angezeigt. Bei der Nachfrage am „Infopoint“ erhielt ich die Information, dass der Zug „voraussichtlich“ an Gleis 9 abfährt. Aus Gleis 9 wurde dann plötzlich Gleis 2 am doch so „überschaubaren kleinen“ Berliner Hbf. Zum Glück hatten wir noch 26 Minuten bis zur planmäßigen Abfahrt. 

Die 26 Minuten waren auch dringend nötig, denn wir mussten mit anderen Menschen knapp 16 Minuten auf die Ankunft des entsprechenden Aufzugs warten! Endlich am Gleis 2 angekommen, wartete dort schon die nächste Überraschung auf uns. Laut der Anzeige hat der IC 2254 mindestens 35 Minuten Verspätung. Das ist dann jedoch auch die einzige Information, die einem als Fahrgast durch die Deutsche Bahn an der Anzeige zugänglich gemacht wird. 

Bahnsteigs Anzeige mit weißer Schrift auf blauem Hintergrund. Bild https://HauptstadtPapa.com
Wie so oft geizt die Deutsche Bahn mit Informationen für den wartenden Kunden am Gleis. (Bild: Thorsten Claus)

In der App „DB Navigator“ erfährt man zumindest noch den aktuellen Grund der Verspätung. In unserem Beispiel „technische Störung am Zug“. Diese nichts sagende Information hilft nicht weiter und so steigt der Frust bei den am Bahnsteig wartenden Fahrgästen. Natürlich muss das Kind jetzt auch gleich Pipi machen, im pünktlichen Zug wäre das kein Problem. 

Doch bei Verspätung am Gleis mit Kleinkind wird es zur scheinbar unüberwindbaren Herausforderung, wenn das Kind mal muss, denn am Gleis gibt es keine Toiletten. So muss man improvisieren und das Kind aufs Gleis oder in die bereitstehenden Mülleimer uriniert lassen. Die Gleise scheiden wegen der Gefahr einfahrender Züge aus, daher entscheide ich mich für den Restmülleimer und bekomme unerwartet Applaus fürs improvisierte WC von den anderen wartenden Fahrgästen. 

Das Durcheinander

Nach etwas mehr als 35 Minuten steht in der Anzeige plötzlich „Zug Durchfahrt“. Eine Lokomotive mit gespenstisch dunkel wirkenden Waggons fährt ein und bleibt stehen. Zuerst denken alle Fahrgäste, dass dieser Zug weiterfährt, weil ja eine „Zug Durchfahrt“ angekündigt ist. Dann stellt sich heraus, dass das unser Ersatzzug ist, nur ohne Beleuchtung in den Wagen. 

Plötzlich laufen die Menschen durcheinander und suchen ihre Wagennummern. Auf das Aushängen einer Wagenreihung am Bahngleis hatte die Bahn vorsichtshalber schon verzichtet. Die Fahrgäste, die in Wagen 10 reserviert haben, haben nun ein kleines Problem, denn es gibt keinen Wagen 10 in diesem Zug. Da die Website der Bahn nur eine geringe Auslastung für den Zug prognostiziert hat und ich nur ein Großraum-Abteil beim Versuch der Reservierung eines Kleinkindabteil angeboten bekommen habe, hatte ich auf eine Reservierung verzichtet. 

Das Einsteigen selbst ist dank tatkräftiger Unterstützung anderer Fahrgäste kein Problem. Jedoch darf man hier von der Deutschen Bahn keinerlei Unterstützung erwarten. Ich habe Glück, der zweite Wagen vor dem Bord-Bistro mit dem Charme der vergangenen Jahrzehnte hat ein freies Kleinkindabteil mit Kinderwagen-Stellplatz. Leider sind die Gänge so schmal, sodass ich den Kinderwagen nahe Wagentür vor einem Feuerlöscher abstellen muss. Zu Glück hat hier ein schlauer Kopf bei der Deutschen Bahn einen Abstellplatz für einen Kinderwagen ersonnen. 

Alles wird gut!

Nun, wo man im Zug sitzt und das Gepäck und den Kinderwagen verstaut hat, beginnt das Stresslevel langsam nachzulassen. Das Kind sitzt am Tisch und packt seine Spielsachen aus dem Kindergartenrucksack und spielt. Ich bin nassgeschwitzt und könnte ein kühle Coke oder einen Eiskaffee vertragen, aber das muss noch warten. 

Erst muss der Schaffner sich einen Überblick machen, wie dieser in einer Durchsage mitteilt, bevor er seine Runde machen kann und die Fahrkarte kontrolliert hat. Zeit genug, um gefühlte Dutzende Male mit meiner Tochter auf die etwas streng riechende und in die Jahre gekommene, aber funktioniere Toilette zu gehen. 

Nachdem der Schaffner sich einen Überblick verschafft hat, kommt dieser zur Kontrolle der Fahrscheine. Jetzt gehts endlich in Richtung des Bord-Bistros. Denn meine Tochter hat vom Schaffner eine Kinderfahrkarte bekommen. Damit kann sie im Bord-Bistro (sofern diese mit an Bord sind) ein Malbuch, Stifte und einen kleinen Spielzeugzug bekommen.

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Für die Kinder gib es meist den kleinen ICE und seine Freunde zum spielen! (Bild: Nietenzähler.de)

Dazu gibts fürs Kind noch ein Croissant und für den Papa eine schön kalte Cola. Während der Fahrt ist Zeit sich etwas vom vorherigen Stress zu erholen. Der IC holt knapp 15 Minuten der Verspätung wieder auf, so kommen wir mit weniger Verspätung als gedacht am Zielbahnhof an. 

Das Fazit

Das Reisen mit Kindern und der Deutschen Bahn ist möglich und kann gut funktionieren. Leider jedoch ist das häufig die Ausnahme von der Regel. Wenn die Deutsche Bahn verstehen würde, dass es für normal mehr als nur zwei Personen mit einem Kinderwagen pro Zug gibt, ist es eigentlich naheliegend, dass die Bahn ausreichend viele Familenplätze (Kleinkind-/Familien-Abteile) in ihren Zügen zur Verfügung stellt.

Da es sich bei der deutschen Bahn um ein Staatsunternehmen handelt, welches, ebenso der Beförderungspflicht unterliegt, wie alle anderen Unternehmen am freien Markt auch. Die Deutsche Bahn macht schon einiges richtig, daher möchte ich dieses auch nicht als DB-Bashing verstehen, sondern als konstruktive Kritik! Damit das Reisen von Familien mit Kindern und der Bahn in Deutschland attraktiver wird, muss die Deutsche Bahn noch einiges verbessern, damit man von Auto oder Flugzeug auf den Zug umsteigt. Ausreichend Familien- und Kinderabteile in den Zügen und mehr hilfreiche Informationen zum Zug am Gleis sowie der DB-App wären ein guter Anfang! 

Ich wünsche Euch wo Ihr auch seit, eine schöne Restwoche, bleibt gesund und mir gewogen!

Euer

Hauptstadt-Papa

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