Kind & Co · 19. Juli 2026

Kommentar: Wasser predigen & Wein saufen! Die Causa Spahn und das Ende der politischen Glaubwürdigkeit.

Ein Rücktritt, der mehr ist als eine Personalie. Wenn Jens Spahn gegen Leihmutterschaft wettert, während er privat längst Tatsachen schafft, ist das mehr als Heuchelei – es ist Gift für unser politisches Vertrauen. Ein Blick auf Privilegien, Milliarden-Gräber und die vergessene Alternative Adoption.

Ein dramatisches Titelbild zeigt einen Politiker, der an einem Rednerpult steht und ein Glas Rotwein trinkt, während im Hintergrund der Reichstag unter dunklen Wolken zu sehen ist. Große, kontrastreiche Schrift betont den Titel „Wasser predigen, Wein saufen: Die Causa Spahn und das Ende der Glaubwürdigkeit“. Daneben liegt eine Aktenmappe mit der Aufschrift „Die Causa Spahn“ und Stichpunkten wie Maskendeals, Millionenverträge, Intransparenz und Vertrauensverlust.

Es gibt Momente, da möchte man als Vater – und erst recht als einer, der den Laden allein schmeißt – einfach nur den Kopf schütteln. Nicht über die Lebensentwürfe anderer, sondern über die bodenlose Arroganz, mit der in der Politik mit zweierlei Maß gemessen wird. Die aktuelle Debatte um Jens Spahn und die Haltung der CDU zur Leihmutterschaft ist so ein Moment. Und sie ist brandgefährlich für unsere Glaubwürdigkeit und Demokratie.

Wenn das Private politisch wird – aber nur für die anderen

Machen wir es kurz: Jens Spahn und sein Ehemann sind durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden. Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs, ehrlich. Ich weiß, was es bedeutet, sein Leben für ein Kind umzukrempeln. Aber hier hört das Private auf und die bittere politische Realität beginnt.

Denn die Dimension der Heuchelei ist atemberaubend: Spahn hat sich noch im April 2024 öffentlich und massiv gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen. Er warnte vor einer „Kommerzialisierung des Weiblichen“ und pochte auf ethische Grundsätze. Was er damals verschwieg: Zu diesem Zeitpunkt war die Leihmutter seines eigenen Kindes in den USA bereits im sechsten Monat schwanger.

Sich vor die Kameras zu stellen und anderen Paaren einen Weg zu verwehren, den man selbst gerade – dank finanzieller Mittel – im Ausland beschreitet, ist an Doppelmoral kaum zu überbieten.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

Doch der politische Druck wurde schließlich zu groß. Jens Spahn trat von seinem Posten als stellvertretender Unions-Fraktionschef zurück. Selbst Friedrich Merz bezeichnete diesen Schritt als „unvermeidlich“.

Wir erinnern uns: Spahn hat in der Vergangenheit eine bemerkenswerte Unbescheidenheit an den Tag gelegt, wenn es darum ging, politische Skandale auszusitzen. Besonders schwer wiegt das Erbe seiner Amtszeit als Gesundheitsminister: Die überstürzte Beschaffung von Corona-Masken hat den Steuerzahler Milliarden gekostet. Berichten zufolge belaufen sich die Kosten auf schwindelerregende sechs Milliarden Euro.

Ein gewaltiger Schuldenberg, den auch unsere Kinder einmal abtragen müssen. Dass nun ausgerechnet die Leihmutterschaft das Ende seiner Karriere an der Fraktionsspitze bedeutet, zeigt, dass die Wähler ein feines Gespür für Heuchelei haben – auch wenn Milliardenverluste zuvor scheinbar folgenlos blieben.

Ein Signal der Eliten-Arroganz

Diese Kette von moralischen und finanziellen Fragwürdigkeiten ist das reinste Kraftfutter für die Ränder unseres politischen Spektrums. In Zeiten, in denen die rechte Gefahr für unsere Demokratie realer ist denn je, ist Glaubwürdigkeit die wichtigste Währung. Wenn Spitzenpolitiker den Eindruck erwecken, für sie gelten andere Regeln, öffnet das die Tore für jene, die behaupten, „die da oben“ machten sowieso, was sie wollen.

Adoption: Die vergessene Alternative?

Als Vater frage ich mich auch: Warum blicken wir immer in die Ferne, wenn das Glück so nah warten könnte? Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 221.500 junge Menschen in Heimen oder Pflegefamilien betreut Statistisches Bundesamt. Gleichzeitig gab es lediglich 3.662 Adoptionen.

Wäre es nicht das stärkere Signal eines christdemokratischen Politikers gewesen, sich für ein Kind zu entscheiden, das bereits hier ist und Schutz braucht, statt mit viel Geld eine biologische Lösung im Ausland zu „bestellen“, während man zu Hause das Verbot predigt?

Eine Einladung zum Dialog

Ein Rücktritt allein repariert noch kein Vertrauen. Deshalb, Jens Spahn: Ich lade Sie herzlich zum offenen Dialog ein. Lassen Sie uns über moderne Familienbilder sprechen, auch in der Union. Über die Hürden für Väter in Deutschland. Darüber, wie die CDU echte Integrität und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will. Von Vater zu Vater – ganz ohne Parteidisziplin, aber mit viel Ehrlichkeit!

Wie seht ihr das? Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare oder im Fediverse.

Eurer

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